Martin

Gerne hätte ich schon viel früher ein Moped mein Eigen genannt. Mit 15 träumte ich von einer Honda Monkey, mit 16 dann von der Honda Dax und mit 18 wollte ich dann so schnell wie möglich ein Auto haben. Der Motorradführerschein wurde deshalb auch in den Wind geschrieben, denn die Prüfung fand im Winter bei Schnee und Eis statt und so hätte ich auf den Schein auch für das Auto noch warten müssen. Zumindest wollte man mir den Schein nicht vorher aushändigen. So bin ich dann 33 Lenze geworden, bis mich die Sehnsucht wieder packte und ich den Motorradführerschein machte. Es sollte unbedingt eine Maschine mit Kardan sein und so wurde ich im März 1997 stolzer Besitzer einer Yamaha DragStar XVS650 mit der niedrigen Fahrgestell-Nr. 795 und 34PS.  Aber alleine durch die Gegend gondeln wollte ich nun nicht und als Greenhorn ein paar Erfahrungen von alten Hasen sammeln wäre ja  auch nicht schlecht. So bin ich über den Tourenfahrer im April 97 auf die "Sonntagsfahrer" gestoßen.  Im Juni wurden dann H&B-Koffer und Topcase drangeschraubt. Die erste große Tour führte mich in die neuen Bundesländer und im Juli dann nach Kroatien. Mit der Clique wurde auch fast jeden Sonntag eine Tour gemacht. So kam ich schon im ersten Jahr auf 19.000 km.

In Winter 97/98 planten wir dann unsere 3-wöchige Tour über Korsika, Sardinien und Sizilien. Auf der Rückfahrt von unserer Tour erwischte es mich am 8. April auf der Schwäbischen Alb das Schicksal . An der Ehinger Steige hat es mich bei strahlend blauem Himmel auf gerader Strecke und bei nur ca. 40 Stundenkilometern in den Graben gehauen. So hat es mir zumindest Markus erzählt, denn ich hatte einen anständigen Filmriss. Hatte wohl die Augen nicht da, wo sie sein sollten. Nach 6 Wochen erstklassiger Pflege im Unfallkrankenhaus in Tübingen und 7 Wochen ambulanter Reha war ich dann wieder arbeitsfähig. Es hatte mir den rechten Oberarmkopf zerbröselt. Eigentlich scheint dies eine typische Verletzung von Mountainbikern zu sein, denn als Zimmernachbarn hatte ich gleich 2 Mountainbiker mit der gleichen Verletzung. Den Rest der Saison habe ich dann im Seitenwagen von Michaels Gespann verbracht.

Im März 99 saß ich aber schon wieder auf meinem geliebten Eisen. Zum Glück war der Schaden reparabel. Das Heck war schnell gerichtet (ist geschraubt), die Kofferträger erneuert und die vorderen Federbeine, die es so heftig zusammengehauen hatte, dass sie nicht mehr ausfederten, beim Händler gerichtet. Schon im Mai waren wir wieder auf Urlaubstour. Diesmal ging es in die Cevennen nach Südfrankreich. So ein Mistwetter habe ich im Urlaub noch nicht erlebt. Wir waren zwar vorgewarnt, weil der Mai der regenreichste Monat in den Cevennen sein soll, aber geglaubt hat es keiner. Es hat 10 Tage nur geregnet. Die Klamotten wurden nicht mehr trocken.  Meine Motorradjacke bekam sogar weiße Stockflecken. Um wenigstens halbwegs trocken frühstücken zu können, sind Achmed und ich losgezogen und haben in einem Baumarkt einen billigen Pavillon erstanden, sodass wir wenigstens unsere Mahlzeiten unter einem festen Dach gemeinsam einnehmen konnten. Nach 10 Tagen sind wir dann in die Provence gefahren. Welch ein Wetter-Unterschied! Der Pavillon diente nunmehr als Sonnenschutz. Auf den Campingplätzen hat man nicht schlecht geschaut, was wir so alles auf unseren Motorrädern untergebracht hatten. Vieles von dem, was man auf einer Motorradreise als puren Luxus bezeichnen müsste, wie z.B. Tisch und Stühle haben allerdings im Seitenwagen von Michaels BMW einen noblen Platz gefunden. Wie wenig ich meinen Unfall verarbeitet hatte, merkte ich auf der Fahrt in die Provence. Auf halbem Wege dorthin hätte ich das Motorrad am liebsten in die Ecke gestellt und wäre mit dem Zug heimgefahren. Erst nachdem ich mit meinen Freunden darüber gesprochen hatte, gewann ich auch wieder Spaß am Fahren. Es ist schon komisch, welche Eigensinnigkeiten der Bauch manchmal entwickelt. Er denkt ganz offensichtlich manchmal mit.

Im August 99 nahmen Markus und ich an einer Sonntags-Probefahrt des Motorradhauses Tullius in Wiesbaden teil. Wir konnten fast alle BMW-Modelle durchtesten. Die für mich neben der GS jedoch interessanteste Maschine, nämlich die RT, war leider nicht dabei. Die GS ist einfach klasse! Es ist wirklich erstaunlich, wie leicht sich die GS bei diesem Gewicht um die Ecken treiben lässt. Als bei Motorrad Senger in Rüsselheim dann eine RT als Vorführmodell günstig zu erwerben war, habe ich nach einfachem Probesitzen zugegriffen. Als ich sie dann mit Markus im März abholte, hatte ich solch eine Erfurcht vor dem Riesenteil, dass ich es mir nicht zutraute, das schöne Stück zwischen den anderen Motorrädern hindurch aus dem Laden zu schieben. Aber kaum vom Hof gerollt, fuhr sich auch die RT so leicht, dass man das Gewicht von über 280kg nicht mehr spürte. Aber mein Glück währte nur bis in die erste Kreuzung, dann lag ich auf der Nase. 90 PS sind eben 56 PS mehr als meine gewohnten 34 PS der DragStar. Vielleicht waren die Reifen nach einigen Monaten in den Werkstatträumlichkeiten auch etwas schmierig geworden. Herr Senger schaute jedenfalls ziemlich verdutzt, als ich schon wenige Minuten, nachdem ich die Verkaufsräume verlassen hatte, um eine neue Fußraste bat. Außer ein paar Kratzern am Koffer und am Zylinderkopfdeckel und der abgebrochenen Fußraste war zum Glück nichts lädiert. Hier zeigte sich wieder einmal, wie wichtig die Koffer sind. Es sind sprichwörtlich des Motorradfahrers Seitenairbags! Die Zylinderkopfdeckel habe ich dann später mit den Kunststoffschutzbügeln verziert.

Die Verkleidung der RT hat sich gerade im Frühjahr bezahlt gemacht. Selbst bei Minusgraden konnte ich größere Strecken auf der Autobahn zurücklegen, ohne allzu sehr zu frieren. Im späten Frühjahr habe ich die Standardscheibe noch gegen die um 5cm breitere und höhere Scheibe ersetzt. Die große Scheibe ist bei meinen 1,75 doch deutlich leiser. Ein bisschen Unverschämt finde ich jedoch den Preis, der um ca. DM 200,-- höher liegt als die Standardscheibe. Die 5 cm in Breite und Höhe können es ja nun wirklich nicht sein. Spätestens im Juni habe ich mir aber insgeheim eine Klimaanlage gewünscht. Hinter der Scheibe geht einfach kein Luftzug mehr. Da sitzt (oder besser schmort) man im eigenen Saft auch dann, wenn die Scheibe ganz nach unten gefahren wird. Leider hat es dieses Jahr mit einer gemeinsamen Urlaubstour nicht geklappt. Unsere Urlaubstermine waren leider nicht unter einen Hut zu bringen. Für Juni 2001 sind nun die Pyrenäen ins Visier genommen worden. Aber leider zieht mein Arbeitgeber ausgerechnet im Juni um, so daß ich als EDV-Support-Mitarbeiter genau in diesem Monat wohl Überstunden statt Urlaub machen kann.

 

Es grüßt Euch

Martin